Rum ist in der Karibik entstanden: Zuckerrohr wird vergoren, gebrannt und in Eichenfässern gelagert. Jede Insel hat daraus einen eigenen Stil entwickelt, und die Unterschiede sind größer, als der gemeinsame Name vermuten lässt. Eine Route über die Inseln, geordnet nach Brenntradition.
Barbados — die Wiege des Rums
- Mount Gay: der älteste dokumentierte Rum der Welt, seit 1703
- Führung und Verkostung im Besucherzentrum in Bridgetown
- Probieren: Eclipse zum Einstieg, XO als zwölfjährigen Blend, 1703 Master Selection
- Stil: Mischung aus Pot Still und Kolonnenbrand, in Eiche gereift
Jamaika — die Hauptstadt des Funk
- Appleton Estate im Nassau Valley, seit 1749 in Familienbesitz
- Rundfahrt über das Anwesen mit Pferdewagen, 4.500 Hektar
- Probieren: Appleton 12 Rare Blend als Einstieg, 21 Years als Spitze, Joy Spence Signature Blend
- Hampden Estate: esterreiche, „funky“ Rums, unter Barleuten legendär
- Stil: kräftig, komplex, Pot Still
Kuba — die Tradition des leichten Rums
- Museum von Havana Club in der Altstadt, Führung mit Verkostung
- Probieren: 7 Años, Selección de Maestros, Máximo Extra Añejo
- Stil: leicht und trocken, gemacht für Mojito, Daiquiri und Cuba Libre
- Hinweis: wegen des Embargos nicht in die USA einführbar
Puerto Rico — die Heimat von Bacardi
- Casa Bacardi in Cataño, die größte Premiumbrennerei der Welt
- Anfahrt mit der Fähre über die Bucht von San Juan
- Probieren: Bacardi 8 Años, Reserva Ocho, Facundo Paraíso
- Don Q aus dem Haus Serrallés, die ältere puerto-ricanische Marke, in Familienbesitz
- Stil: leicht, weich, breit zugänglich
Dominikanische Republik
- Brugal in Puerto Plata
- Probieren: Añejo, 1888 Doblemente Añejado, Papá Andrés
- Barceló mit dem Imperial Premium Blend
- Stil: die weiche spanisch-karibische Linie
Martinique — Rhum agricole
- Zwölf Brennereien und der einzige Ort mit einer AOC für Rhum agricole, gebrannt aus frischem Zuckerrohrsaft statt aus Melasse
- Habitation Clément in Le François, mit Museum, Gärten und Kellern
- Distillerie Saint James, die älteste Agricole-Marke
- Neisson, familiengeführt und handwerklich
- Probieren: Clément VSOP, Saint James Hors d'Âge, Neisson Réserve Spéciale
- Stil: pflanzlich, grasig, komplex — für Rumtrinker aus der Melassetradition zunächst ungewohnt
Guadeloupe — ebenfalls Agricole
- Damoiseau, die größte Brennerei der Insel
- Bologne, deren Anwesen bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht und auf dem seit dem 19. Jahrhundert gebrannt wird
- Longueteau, reines Feldrohr vom Schlag bis in die Flasche
- Zum Probieren gehört der ti-punch: Agricole, Rohrzucker, Limette
Venezuela — die Karibikküste
- Diplomático im Bundesstaat Aragua, Besuch auf Anfrage
- Probieren: Reserva Exclusiva, Single Vintage, Ambassador
- Stil: satt und süß, fast wie ein Dessert
US-Jungferninseln — Cruzan
- Cruzan auf St. Croix, Führung und Verkostung für wenige Dollar
- Probieren: Single Barrel, Estate Diamond
- Stil: leicht und klar
Trinidad und Tobago
- Angostura — dasselbe Haus, das den Bitter herstellt
- Probieren: Angostura 1824, 1787 Caribbean Reserve
Suriname
- Marienburg mit dem Borgoe-Rum, in niederländischer Tradition gebrannt
Wie man die Rumstraße fährt
- Die meisten Führungen mit Verkostung kosten 5 bis 30 Dollar
- In der Saison vorher reservieren
- Nach mehreren Verkostungen nicht selbst fahren — Fahrer oder Taxi nehmen
- In der Brennerei kaufen: oft günstiger und mit Abfüllungen, die es sonst nicht gibt
- Zollfreigrenze prüfen — für die meisten Reisenden ist es ein Liter
Die vier Stilfamilien
- Spanisch-karibisch (Kuba, Dominikanische Republik, Puerto Rico, Venezuela): leicht, weich, zum Mischen
- Englisch-karibisch (Jamaika, Barbados, Trinidad): kräftig und vollmundig
- Französisch-karibisch (Martinique, Guadeloupe): Agricole, pflanzlich
- Niederländisch-karibisch (Suriname): die traditionelle niederländische Machart
Cocktails an ihrem Ursprungsort
- Mojito und Daiquiri auf Kuba — letzterer in Hemingways Fassung ohne Zucker
- Piña Colada in Puerto Rico
- Rum Punch auf Barbados
- Painkiller auf den Britischen Jungferninseln, erfunden in der Soggy Dollar Bar
- Ti-punch auf Martinique
- Planter's Punch auf Jamaika